CD-Tipp

Atrocity – Okkult II


Das Album der Woche – KW 28/2018

Atrocity – Okkult II
(Massacre Records, V.Ö. 6.7.2018)

Atrocity waren schon immer so etwas wie die Weltenwanderer des düsteren Metals. Ihre Wurzeln haben die Ludwigsburger ganz klar im Death Metal, aber bereits auf ihrem Drittwerk „Blut“ von 1994, das bis heute von vielen als Atrocity’s Referenzwerk angesehen wird, flossen erste Gothic- und Düster-Einflüsse in den Sound ein, denen man sich in Folge noch weit öffnen sollte.

Legendär ihre EP „Die Liebe“ zusammen mit der deutschen Darkwave-Institution Das Ich, oder natürlich die beiden „Werk 80“-Alben, auf denen man 80er-Jahre Popklassiker in ein knackiges, tanzbares Gothic Metal-Gewand kleidete. Aber Atrocity haben auch dem extremen Metal nie abgeschworen. 2004 wilderte man mit „Atlantis“ in Black Metal-Gefilden und 2013 kehrte man mit „Okkult“ zum Death Metal der alten Schule zurück, was nun mit dem neuen Werk „Okkult II“ seine Fortsetzung findet. Das schöne dabei: Atrocity folgen auch hier ihrem eigenen roten Faden des düsteren Grundsounds und so lässt sich „Okkult II“ am ehesten als Death Metal der alten schwedischen Schule gepaart mit orchestralen Chorälen, wie man sie von Bands wie Therion oder Tristania kennt, beschreiben.

Gleich der Opener „Masters Of Darkness“ schöpft hier aus dem Vollen und kreuzt epische Parts mit Doublebass-Attacken und bildet damit gleich ein erstes Album-Highlight. Allgemein ist „Okkult II“ immer dann am spannendesten, wenn die Band epischer und abwechslungsreicher zu Werke geht. Zwar ist ein Song wie etwa „Shadowtaker“ eine wunderbare Uptempo-Abrißbirne, perfektes Headbang-Futter, aber böse gesagt halt letztlich doch nur Death Metal von der Stange. Dagegen sprudelt etwa ein „Gates To Oblivion“ geradezu vor spannenden Parts zwischen Chroral-Gesängen, Doublebass-Strophen und Celtic Frost-Wahnsinn und mit Morgoth’s Marc Grewe gibt es zudem ein prominentes Gastspiel zu bestaunen. Ebenfalls ein Höhepunkt: das schleppende, an beste Bolt Thrower-Zeiten erinnernde „Spell Of Blood“ mit seinem zerstörerischen Nackenbrecher-Mittelpart. Mit „Menschenschlachthaus“ wird ein deutschsprachiges Häppchen serviert und in „Devil’s Covenant gibt es noch ein zweites Gastspiel zu hören. Diesmal gibt sich niemand geringeres als Entombed-Sänger LG Petrov die Ehre. Atrocity bewegen sich auf „Okkult II“ streng innerhalb der für dieses Album selbst gesetzten stilistischen Grenzen, diesen Spielraum loten sie aber gekonnt und mit viel Abwechslungsreichtung sowie großartigen Komposition perfekt aus.

Fazit: „Okkult II“ ist eine wunderbare Hommage an den alten schwedischen Death Metal und zeigt Atrocity in bestechender Spiellaune. Liebevoll werden hier mächtige Melodien mit brettharten Blast-Parts kombiniert und das Ganze in den bandtypischen Düster-Metal-Kontext gestellt. Herausgekommen ist ein Album, das sicherlich nichts für zartbesaitete Gemüter ist, mit dem Freunde der härtesten Klänge aber sicherlich ihre Freude haben werden.


Bewertung: 4 Chicks = Spitzen Album, setzt sich deutlich von der Masse ab!

4 Chicks = Spitzen Album, setzt sich deutlich von der Masse ab!