CD-Tipp

Audrey Horne – Blackout


Das Album der Woche – KW 3/2018

Audrey Horne – Blackout
(Napalm Records, V.Ö. 12.1.2018)

Die Norweger Audrey Horne haben sich in den letzten Jahren den Ruf als einer der besten Hardrock-Bands der heutigen Zeit kontinuierlich erspielt. Vor allem ihre energiegeladenen Club-Liveshows mit ihrer beispiellosen Interaktion mit dem Publikum sind legendär und sollte unbedingt jeder mal gesehen haben.

Natürlich spielt aber auch das exzellente Songmaterial eine Rolle. Vor allem ihr 2012er Werk „Youngblood“ sorgte für so einige offene Münder und brachte der Band neben überschwenglichen Kritiken auch viele neue Fans ein. „Pure Heavy“ führte diesen Weg 2014 fort, konnte aber nicht ganz so überzeugen. Nach einer Pause – Gitarrist Arve „Ice Dale“ Isdal arbeitete z.B. mit seiner Stammband Enslaved an deren neuen Album „E“ – knüpft „Blackout“ nun direkt an „Youngblood“ an, vor allem was Spielfreude und das mitreißende Songmaterial angeht.

Bereits der Opener „This Is War“ brilliert mit den für Audrey Horne inzwischen typischen Gitarren-Leads im allerbesten Thin Lizzy-Style und einer tollen Gesangslinie. Und schon der flotte Zweitling „Audrevolution“ dreht den Ausflippfaktor dann gleich auf 10! Das Ding MUSS der neue Konzert-Opener werden! Der anschließende Titelsong groovt dann mit einer Lässigkeit durch den Gehörgang, die fast schon unverschämt ist und „This One“ erinnert an den Anfang von David Lee Roths Solophase. Wer nicht spätestens hier ein dickes breites Grinsen im Gesicht hat, der ist im vorliegende Genre definitiv falsch! Allgemein ist es beeindruckend, mit was für einer Selbstverständlich und Lockerheit sich die fünf Bergener innerhalb der verschiedenen Spielarten des Hard Rock austoben. Die Songs atmen alle stets das gute alte Siebziger-Jahre-Flair, angestaubt oder gar veraltet klingt hier aber rein gar nichts, ganz im Gegenteil: Audrey Horne verstehen es, ihre Einflüsse von Thin Lizzy, Deep Purple über Kiss bis Van Halen frisch und modern in die heutige Zeit zu projezieren.

„Midnight Man“ ist so ein Beispiel. Eine The Sweet-Gesangslinie verschmilzt mit harten, modern runtergestimmten Kvelertak-Riffs und mündet in einem treibenden Finalpart, den auch Kiss sofort ins Programm aufnehmen würden. Es ist genau diese schier endlos scheinende Kreativität, die Audrey Horne aus dem Wust von tausenden von mehr oder weniger gleichklingenden Hardrock-Bands so deutlich herausragen lässt. Dabei erfindet man das Rad wahrlich nicht neu, aber man versteht es eben meisterhaft, die vorhandenen Einflüsse in großartige neue Songs zu verwandeln. „Light Your Way“ etwa ist dezent bei Purple’s „Speed King“ entlehnt, bekommt aber mit seinem grandiosen mehrstimmigen Refrain eine komplett eigene Note verpasst und „Satellite“ sorgt mit seinem stampfenden Rhythmus für wippende Köpfe und Füße. Mit „Naysayer“ und „Rose Alley“ werden nocheinmal zwei umwerfende Brecher ausgepackt. Fast schon Tradition ist es bei Audrey Horne inzwischen auch, dass sich unter den Bonustracks der CD-Erstausgabe echte Album-Highlights befinden. So sorgt diesmal die melancholische Halb-Ballade „The End“ für wohlige Gänsehaut-Schauer.

Fazit: Audrey Horne melden sich mit einem grandiosen Album eindrucksvoll zurück. „Blackout“ bricht sicherlich keine Härterekorde, besticht aber durch packendes und punktuiertes Songwriting und seine unbändige Spielfreude, die man als Hörer von der ersten Sekunde an spüren kann und die einen einfach packt und begeistert. Ein Ohrenschmaus allererster Güte und ein Fest für alle Freunde des gepflegten Hardrocks! Nicht zögern, sondern kaufen und abfeiern!


Bewertung: 5 Chicks = Rockt gewaltig, Anwärter zu den Top Alben des Jahres!