CD-Tipp

Loch Vostok – Strife


Das Album der Woche – KW 48

Loch Vostok – Strife
(ViciSolum Productions, V.Ö. 24.11.2017)

„Extreme Progressive Metal“ von einer Band mit dem ungewöhnlichen Namen LOCH VOSTOK… das lässt auf den ersten Blick arg verschwurbeltes erahnen. Aber: so wild ist das alles nicht, ganz im Gegenteil: „Strife“, so der Name des Werkes, ist ein durch und durch wunderbares und faszinierendens Album geworden!

Loch Vostok kommen aus dem schwedischen Uppsala und haben sich nach dem unterirdischen Wostoksee in der Antarktis benannt. „Loch“ ist hierbei das keltische Wort für „See“ und „Vostok“ ist russisch für „Osten“. Und die Musik ist so typisch schwedisch, wie sie nur irgendwie schwedisch sein kann. Ich beschreibe es mal so: nehmt die Melodien und die Gesangslinien von Evergrey und kombiniert sie mit der Härte und den vertrackten Grooves von Meshuggah, dann habt ihr in etwa eine Vorstellung davon, was uns „Strife“, das bereits siebte Album der Band, zu bieten hat.

Gleich die Album-Eröffnung hat es in sich: „Babylonia Groove“ startet heftig, modern und mit geshouteten Vocals, wechselt sich aber immer wieder mit ruhigeren, hochmelodischen Parts mit Cleangesang ab. „Summer“ bietet uns dann die oben beschriebene Mischung galore: Zunächst regiert der Meshuggah-Wahnwitz mit hektischen, aggressiven Strophenparts. Die erste Single des Albums gleitet dann in der zweiten Hälfte aber in eine melancholisch-melodiöse Hymne ganz im Evergrey-Style hinüber. Das folgende „The Apologists Are The Enablers“ macht dann genau dort weiter, der Song würde sich tatsächlich auch ganz vorzüglich auf „The Storm Within“, dem aktuellen Album der Göteborger Vorzeige-Melancholic-Power-Progger machen. Vor allem die stimmliche Ähnlichkeit ist verblüffend, auch wenn Loch Vostok’s Teddy Möller nicht ganz an Evergrey’s Tom Englund heranreicht… aber er macht seine Sache sehr gut und hat auch durchaus etwas ganz eigenes in der Stimme. „Cadence“ ist dann gleich der nächste Höhepunkt. Ruhigere Strophen führen zu groovigen Ohrwurm-Refrains, garniert mit einem richtig krass gescreamten Mittelpart. Herausragend!

Das folgende, etwas ruhigere „Forever“ wirkt dann dagegen fast schon unspektakulär und bietet dem Hörer Zeit zum Durchschnaufen, die er auch braucht, bevor ihn dann das völlig durchgeknallte „Yurei“ irgendwo in der Schnittmenge zwischen The Dillinger Escape Plan und Devin Townsend förmlich überfährt. „Purpose“ baut trotz seiner vertrackten Rhythmen eine wunderbar melancholische Grundstimmung auf, die in einem echten Gänsehaut-Refrain gipfelt. In „Ventilate“ wird nochmal richtig der Knüppel aus dem Sack geholt. Viel Doublebass, viel Geballer, über alle dem aber eine stets melodiöse Gesangslinie. Irres Ding, das erstaunlich gut funktioniert. „Consumer“ fährt dann nochmal ganz gewaltig die oben mehrfach erwähnte Melodie/Prog/Groove-Mischung auf, bevor das relativ ruhige, am ehesten in die Threshold-Richtung tendierende „Expiry Date Of The Soul Of Man“ ein durchgehend packendes und mitreißendes Album abschließt.

Fazit: Evergrey-Fans, die nichts dagegen haben, dass es in den Songs ab und zu auch mal eine Schippe heftiger zu Werke geht, werden „Strife“ lieben! Loch Vostok erweisen sich als technisch anspruchsvoll und hochversiert und verstehen es, griffige Riffs und vertrackte Grooves mit tollen Melodien zu kombinieren und das ganze in kompakte, kurze Songs zu gießen, die bis auf den Abschlusstrack allesamt unter der 5-Minuten-Marke ins Ziel kommen. Für Prog-Verhältnisse eine Seltenheit, die man definitiv gehört haben sollte!


Bewertung: 4 Chicks = Spitzen Album, setzt sich deutlich von der Masse ab!