CD-Tipp

Moonspell – 1755


Das Album der Woche – KW 45

Moonspell – 1755
(Napalm Records, V.Ö. 3.11.2017)

Moonspell aus Portugal kann man definitiv als einen der Vorreiter des Gothic Metal Anfang/Mitte der 90er Jahre bezeichnen. Mit ihren Alben „Wolfheart“ und „Irreligious“ haben sie absolute Szeneklassiker veröffentlicht. In der Folge versuchte man sich an allerlei Stilvariationen von seichtem Gothic Rock bis hin zum brachialen Death Metal und ging in dieser Zeit durch so einige Höhen und Tiefen. Ihr letztes Album „Extinct“ zeigte die Band aber von ihrer allerbesten Seite und darf durchaus als Geniestreich und als einer der Höhepunkte in ihrer Diskografie bezeichnet werden.

Wer den Werdegang der Portugiesen verfolgt hat weiß, dass die Band nie auf Nummer sicher ging und nie zwei ähnlich klingende Alben in Folge veröffentlicht hat. Stilistische Vielfalt war schon immer Trumpf und so haben sich Moonspell auch diesmal etwas völlig anderes, neues ausgedacht. „1755“ ist ein Konzeptalbum geworden und erzählt vom 1. November des Jahres 1755, als ein sehr schweres Erdbeben mit folgenden Großbränden und Tsunami die portugiesische Hauptstadt Lissabon fast völlig zerstörte und bis zu 100.000 Todesopfer forderte.

Moonspell erzeugen für die Erzählung dieser Ereignisse eine unheilvolle und sehr düstere musikalische Grundstimmung und arbeiten dabei viel mit Chorälen und epischen Melodiebögen. Darüber thront Fernando Ribeiro und führt uns mit tiefer, aggressiver Stimme durch die Geschichte. Auf seinen schönen, dunklen Klargesang müssen wir diesmal zwar vollständig verzichten, in diesem Falle passt das aber perfekt zum Konzept, da Fernando hier weniger singt als vielmehr von all den schrecklichen Ereignissen erzählt und berichtet. Man klebt ihm als Hörer förmlich an den Lippen, auch wenn man – so wie ich – nicht ein einziges Wort versteht: Das Album ist nämlich komplett auf Portugiesisch verfasst! Und diese für uns doch relativ hart klingende Sprache verleiht dem Album dadurch noch etwas mehr Dramatik und Nachdruck. Die Band schafft es tatsächlich, allein durch die Kraft der Musik und der Phonetik dem Hörer die Geschichte und die Ereignisse perfekt zu vermitteln.

Bemerkenswert ist, dass das Album nicht nur als Ganzes funktioniert, sondern dass auch die Songs für sich einzeln genommen absolut überzeugen können. Der Titelsong mit seinen harschen Strophen und den Chorälen im Refrain packt einen sofort. „In Tremor Dei“ baut mit seinen dynamischen Strukturen dramatische Spannung pur auf. „Evento“ lässt Fans der Frühwerke der Band vor Freude strahlen und „Todos os Santos“ wird mit seinem groovigen Grundriff, seinen Gangshouts und seinem hymnischen Chorus sicherlich die Tanzflächen der Metalclubs vollmachen.

Fazit: „1755“ ist eines der härteren Moonspell-Alben, ist komplett anders als sein Vorgänger „Extinct“, weiß aber trotzdem genauso zu gefallen und darf ebenso als echter Geniestreich bezeichnet werden. Das düster-epische Grundgerüst nimmt den Hörer von der ersten Sekunde an gefangen, die treibenden Riffs und Rhythmen packen und schütteln einen durch und die ruhigen Parts ziehen einen gefühlsmäßig ganz tief in die dramatischen Ereignisse der Geschichte hinein. Was nach gut 50 Minuten bleibt ist eine dicke Gänsehaut und pure Begeisterung.


Bewertung: 5 Chicks = Rockt gewaltig, gehört definitiv zu den Top Alben des Jahres!