CD-Tipp

Sarke – Viige Urh


Das Album der Woche – KW 42

Sarke – Viige Urh
(Indie Recordings, V.Ö. 13.10.2017)

Norwegische Black Metal-Musiker leben ihre Vorliebe für 70er-Jahre Rock aus… wie das klingt, das kann man auf „Viige Urh“, dem neuen, inzwischen fünften Album der Osloer Band Sarke erleben. „Viige Urh“ heißt dabei auf Deutsch übrigens „vergangene Zeit“.

Hellhammer trifft auf Black Sabbath trifft auf Pink Floyd. Hellhammer vor allem wegen des Gesangs, der sehr nach Tom G. Warrior klingt und der sich dabei erstaunlich gut an die Melodien anschmiegt. Black Sabbath vor allem wegen der klaren, wuchtigen und zumeist doomigen Gitarrenriffs, die den Songs ihre Basis und Marschrichtung verpassen. Und Pink Floyd vor allem wegen der melodischen Gitarren-Leads sowie einiger progressiver Songstrukturen und kurzer Hammond- bzw. Keyboardlinien.

Neben Bandboss Thomas „Sarke“ Bergli fällt natürlich sofort Darkthrone-Fronter Nocturno Culto auf, der mit seiner krächzigen Stimme den Songs eine großartig raue Note verpasst, und dabei von der Phrasierung her desöfteren an Celtic Frost oder auch Venom erinnert. Der Rezensent hat sich sogar mehrmals dabei erwischt, ein lautes „Ugh“ von sich zu geben. 😉
Natürlich fallen auch von der ersten Sekunde an die großartigen Songs auf, die Sarke hier komponiert hat. Der Titeltrack eröffnet flott mit Motörhead-Rotzigkeit, kombiniert dies aber mit einem astreinen, epischen Gothic Metal-Chorus. „Dagger Entombed“ packt dann diese Art von „Groove-Doom“ aus, wie man ihn etwa auch bei Triptykon findet. Und so reiht sich hier ein packendes Highlight ans Nächste. „Age Of Sail“ begeistert mit seinen Pink Floyd-artigen Gitarrenmelodien, „Punishment To Confession“ ist eine wunderbar zähflüssige Sabbath-Verneigung. „Knifehall“ bringt dann mit seinem ruppigen Charme wieder mehr Tempo ins Spiel. Der große Höhepunkt des Albums ist aber „Jutul“, in dem die norwegische Sängering Lena Fløitmoen Børresen zum Duett bittet und das sich als vielschichtiges und tiefgehendes Doom-Epos mit absoluter Gänsehaut-Garantie entpuppt. Hier werden wirklich alle Register düsteren Metals gezogen.

Fazit: Wer Venom oder Celtic Frost mag, liegt hier grundsätzlich schonmal gar nicht verkehrt, auch wenn wir hier von „Rumpel Metal“ doch sehr weit entfernt sind. „Viige Urh“ bietet sehr viel mehr, begeistert mit vielschichtigen, teils sogar progressiven Kompositionen und einer ausgeklügelten Instrumentierung. Acht packende Düstersongs von flott bis zähflüssig, von ruppig bis gefühlvoll, von Haudrauf bis Poesie. Und definitiv 35 Minuten Eurer Lebenszeit wert!


Bewertung: 4 Chicks = Spitzen Album, setzt sich deutlich von der Masse ab!4-Chicks