Konzert, Roxxy's Blog

BANG YOUR HEAD!!! 2017 – Tag 1

Erst war es noch gaaanz weit weg, dann nur noch 9x schlafen und auf einmal war der Abfahrtstag nach Balingen endlich da! Zwar ohne 747, sondern nur mit ’nem Golf und anstatt Battering Ram hatten wir Sekt und Jack im Gepäck, aber wir sind ja auch keine Crusader, sondern mehr so die Princess(es) Of The Night, die mit full Power And Glory in Balingen einfielen.

Trotzdem dass wir Donnerstag morgens auf die Tube drückten war zu Killcode mehr als ein rhythmisches Fußwippen nicht drin, was seinen Grund aber mehr in Nervosität hatte, weil sich in der Schlange an der Bändchenausgabe so gar nichts zu bewegen schien.


CRYSTAL VYPER

Erst zu Crystal Viper konnten wir endlich das Gelände erstürmen und uns an Marta und ihren Power-Metal Mannen erfreuen. Ich mag ja diese Metal-Ladies, die wirklich nach Metal aussehen und nicht nach Burgfräulein. Kleine Lady mit großer Gitarre, das wirkt selbst auf Hetero-Frauen irgendwie geil. Obwohl nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Songs zwar gut sind, aber auch nicht so herausragend, dass sie einem im Ohr bleiben würden, wenn nicht Marta das Aushängeschild der Band wäre.

Crystal Viper

Nach längerer krankheitsbedingter Pause der Sängerin starten Crystal Viper jetzt wieder durch und durchmischen ihre Setlist mit einigen Songs des Anfang des Jahres erschienenen Albums, das passenderweise „The Witch Is Back“ heißt und sich natürlich bestens als Opener eignet. Die ganze Band bietet sehr viel für’s Auge, da sich Marta neben ihren musikalischen Ambitionen auch auf den Umgang mit Nadel und Faden versteht. Ihre „Thunderball“ Kollektion ist durchaus einen Klick wert.

Nachdem der Band klar gewesen sein dürfte, dass auch Steve Grimmett „See You In Hell“ spielen würde, hätte ich auf diesen Song eher verzichtet, aber möglicherweise war diese Respekterweisung durchaus Absicht.

Roxxymeter: 5 Roxxys in den Kategorien Outfit und Sympathie.

(Setlist: The Witch Is Back, Night Prowler, Night Of The Sin, Witch’s Mark, When The Sun Goes Down, Fear No Evil, The Last Axeman, Metal Nation, See You In Hell)


TOXIK

Nahtlos geht es über zu den Kult-Thrashern von Toxik, die sich gerade sozusagen im dritten Metal-Leben befinden. Obwohl das Material aus der Konserve auch nach 3 Jahrzehnten immer noch überzeugen kann, so habe ich festgestellt, dass ich live doch recht wenig damit anfangen kann.

Toxik

Dafür, dass die Band zu einer Uhrzeit auftrat wo man gern ins Suppenkoma fällt, warfen die vor der Bühne Anwesenden gerne zu den schrillen Schreien von Sänger Charles Sabin die Fäuste in die Höhe, aber auf mich sprang der Funke nicht über. Schwer zu sagen woran es lag, aber es gibt Bands, die mir das Gefühl vermitteln mit einer großen Bühne überfordert zu sein. Gerade deswegen würde ich mir Toxik auf einer kleinen Bühne in einem Club jederzeit wieder anschauen, da kommt der pure Thrash vielleicht besser zur Geltung.

Roxxymeter: 3 Roxxys, da hier weder das Outfit (so geht der Normalo Metaller zum Gig) noch das Stage-Acting und die Stimmung auf der Bühne besonders herausragend waren.


GLORYHAMMER

Als nächste standen Gloryhammer auf dem Programm, auf die ich mich musikalisch zwar vorbereitet hatte, aber da sie mir auf der letzten Hammerfall Tour durchgerutscht sind hatte ich sie noch nie live und in Farbe gesehen. Insofern war mein erster Blick geprägt von völliger Verwirrung und der zweite von Erheiterung. Was zur Hölle ist das? Space Balls meets Herr der Ringe? Oder doch eher eine Begegnung des Star Trek Fanclubs mit mittelalterlichen Rollenspielern? Aber als die Show losging hatten sie mich im Sack.

Die Band hat eine ansehnliche Fanbase und so ging die Meute gleich von Anfang an richtig gut ab. Kein Wunder, denn die Jungs können was, das steht außer Frage, aber sie haben auch jede Menge Spaß auf der Bühne, nehmen sich selbst nicht so ernst und neben den Songs bleibt ihnen auch noch Zeit zum Kämpfchen austragen und Bier trinken.

Beim Kampf um das Königreich Fife braucht es schon ein paar Krieger mehr, die in die Schlacht ziehen, und die vermeint man in den Chören bei Gloryhammer auch alle zu hören. Auch die Songtitel geben einen deutlichen Hinweis auf das, was sich musikalisch abspielt. Wenn schon von dem „Ride To The Galactic Fortress“ die Rede ist und bei den Keyboards, zumindest für meine Ohren, ein Dudelsack mitschwingt, gibt es keinen Zweifel, dass man hier zu größeren Taten berufen ist.

Gloryhammer

Bei dem Stück „The Hollywood Hootsman“ habe ich mich gefragt, ob hier möglicherweise die Karriere von Arnold Schwarzenegger glorifiziert wird? Das innere Auge hat sich zumindest gleich mit einem Bild von „Conan der Barbar“ selbständig gemacht.

Gloryhammer

Mein Favorit jedoch war klar das eingängige „Universe On Fire“, ein Ohrwurm, den man so schnell nicht mehr loswird. Mit Gloryhammer reite ich auf jeden Fall gern auch nächstes Mal wieder in die Schlacht!

Roxxymeter: volle Punktzahl in den Kategorien: Outfit, Sympathie, Stimmung und Spielfreude.

(Setlist: Rise Of The Chaos Wizards, Legend Of The Astral Hammer, Hail To Crail, Questlords Of Inverness, Ride To The Galactic Fortress, Magic Dragon, The Hollywood Hootsman, Angus McFife, Universe on Fire, The Unicorn Invasion of Dundee)


ORDEN OGAN

Orden Ogan

Orden Ogan konnten wir nur von weitem wahrnehmen, denn irgendwann muss der Mensch auch mal etwas essen. So blieb nur der Blick auf die Szenerie. Nach dem von grün dominierten Backdrop und den bunten Klamotten von Gloryhammer war jetzt wieder schwarz angesagt und Orden Ogan ließen sich nicht lumpen bei ihrer Show auch einige Gimmicks einzubauen, die zum Titel des neuen Albums „Gunmen“ passten.

Orden Ogan

Der Kürze der Spielzeit war es sicher auch geschuldet, dass von diesem Album nur zwei Songs den Weg in die Setlist gefunden haben. Aber bei einer Festivalshow einen Querschnitt durch das Komplettwerk zu geben ist eine gute Strategie.

Orden Ogan

(Setlist: To New Shores Of Sadness, We Are Pirates, Here At The End Of The World, Gunmen, Deaf Among The Blind, Fields Of Sorrow, F.E.V.E.R., The Things We Believe In)


SLAUGHTER

Der erste persönliche Höhepunkt sind Slaughter, die ich leider bislang noch nie gesehen hatte. Entsprechend groß war die Vorfreude, obwohl ich beim Thema Erwartungshaltung bei diesen 80er Poserbands zwischenzeitlich eher vorsichtig bin. Auch in diesem Fall hat sich das durchaus als richtig erwiesen.

Dabei kann ich beim besten Willen nicht sagen, dass die Band schlecht war. Der Sound war zwar etwas verwaschen, aber die Jungs um Mark Slaughter haben wirklich alles gegeben. Allen voran Ausnahmedrummer Zoltan Chaney, der für sein Schlagzeugspiel einen Akrobatik-Award verdient hätte. Auch Dana Strum und Jeff Bland sind Profis, die nicht nur ihre Instrumente beherrschen, sondern auch wissen wie sie mit dem Publikum umzugehen haben und die Weite der Bühne voll ausnutzen.

Slaughter

Der einzige, der für mich aus diesem Rahmen von Lebendigkeit herausgefallen ist, ist Mr. Slaughter himself. Stimmlich gab es nichts zu meckern, das hat alles gepasst, er hat auch sein „Laufpensum“ abgespult, aber genau dieses Wort trifft es für mich leider eben auch.

Man kann einen Job mit Herzblut und Leidenschaft erledigen, oder Dienst nach Vorschrift machen. Bei Mark Slaughter hat mir die Leidenschaft und die Freude an dem was er tut gefehlt. Beim Nachdenken darüber gerate ich ins Philosophieren und wenn man sich die Karriere von Slaughter vor Augen hält kann da ein tieferer Grund vorliegen.

5 Scheiben haben Slaughter zwischen 1990 und 1999 veröffentlicht, aber alles was nach „The Wild Life“ kam wollte genau genommen niemand mehr hören. Wenn man sich die Setlist anschaut, die zu 100% aus den ersten beiden Alben besteht, so kann es einem Künstler vielleicht schon die Begeisterung an der eigenen Performance nehmen, wenn alle „ Up All Night“ hören wollen obwohl das Nachfolgematerial künstlerisch vielleicht sogar wertvoller ist als die Millionseller.

Allerdings teilt er dieses Schicksal mit Tausenden anderer Musiker, von denen etliche auch in Balingen zugegen waren. Nur geht jeder Mensch anders damit um. Wo es dem einen auch das Tausendste Mal noch Freude bereitet einen Song zu performen, weil dieser dem Publikum viel bedeutet, so gibt es andere, die möglicherweise gelangweilt sind. Die Gegenwirkung darin zeigt sich, indem mir zum Beispiel „Fly To The Angels“ nicht so in Erinnerung bleiben wird, wie ich das gehofft hatte.

Das sind natürlich alles nur Mutmaßungen, denn es gab durchaus Stimmen, die von dem Slaughter Gig völlig begeistert waren.

Slaughter

Roxxymeter: fürs Stage-Acting, Stimmung und Spielfreude bekommen die Jungs 5 Roxxys – wäre Mark etwas enthusiastischer gewesen, dann hätte es die volle Punktzahl gegeben.

Die Hose von Dana Strum hätte strammer sitzen können, dann würde es nämlich auch noch Sonderpunkte fürs Outfit geben, weil nicht nur das Hemd sondern auch Dana der absolute Hingucker war.

(Setlist: The Wild Life, Burnin‘ Bridges, Spend My Life, Mad About You, Eye To Eye, Real Love, Fly To The Angels, Up All Night)


ECLIPSE

Auch wenn ich gerne Venom gesehen hätte war bei der Wahl zwischen Eclipse und Venom die Entscheidung mehr als klar!

Über den Newcomer Status sind Eclipse definitiv raus, wenn man sich die gut gefüllte Messehalle ansah. Und das war nun wirklich ein Auftritt, der von Anfang bis Ende keine Wünsche offen ließ. Eine Band mit gewaltiger Spielfreude, Können und einem Sänger, der das hohe Niveau bis zum letzten Ton halten kann.

Die Tatsache, dass gleich mit zwei Songs vom aktuellen Album begonnen wurde und insgesamt das Material von „Monumentum“ 50% der Setlist ausmachte zeigt, wie bärenstark dieses Album ist. Mein persönliches Highlight kam, als Sänger Erik Mårtensson seinen Lieblingssong vom neuen Album ankündigte und mir klar war, dass nun „Hurt“ kommen würde. Dieses Stück hat das Potential eine der Balladen zu werden, die ich auch im Rentenalter noch ergreifend finden werde. Und der Rest des Publikums schien die Begeisterung zu teilen. Bei „Battlegrounds“ wollte die Menge schier nicht mehr aufhören zu singen. Mit „I Don’t Wanna Say I’m Sorry“ ging ein grandioser Auftritt zu Ende, den sicherlich nicht nur ich gerne auf der großen Bühne gesehen hätte. Beim nächsten Mal dann….

Eclipse

(Setlist: Vertigo, Never Look Back, The Storm, Wake Me Up, Jaded, Hurt, Battlegrounds, Downfall Of Eden, Black Rain, Blood Enemies, Stand On Your Feet, I Don’t Wanna Say I’m Sorry)

Roxxymeter: 6 Roxxys für Stage-Acting, Sympathie, Stimmung und Spielfreude.


VENOM

Noch schnell nach draußen gerannt zu Venom, habe ich nach dem Eclipse Gig nur noch die Zugabe mitbekommen. Aber abgesehen davon, dass der direkte Vergleich von der Filigranität her dann doch eher schlecht für Venom ausfällt fand ich es merkwürdig einen Song wie „Black Metal“ bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein zu hören. So evil kann kein Stück Musik sein, um bei Sonnenschein die nötige düstere Stimmung zu verbreiten.


DEMON

Von der Open-Air Bühne ging es schnurstracks wieder zurück in die Halle zu Demon. Schande über mich, ging diese, bereits seit über 30 Jahren bestehende, Band bis im Frühjahr 2017 komplett an mir vorbei. Natürlich hat es auch hier jede Menge Besetzungswechsel gegeben, Änderung der Stilrichtung und diverse Pausen. Demon wird zwar zu der NWoBHM gezählt, aber für mich klingt das eher wie typischer englischer Hardrock mit leicht progressivem Einschlag. Die Sprechchöre in der Halle zeigten eindeutig, dass Demon auch nach vielen Jahren ihre Fans am Start haben und was die Herren boten machte richtig Laune. Leider musste ich nach nur drei Songs (Liar, Night Of The Demon, Life On The Wire) wieder gehen, da ich den Autoschlüssel hatte, und die „Scheffin“ ihre Jacke brauchte. Ich würde mich freuen Demon bald wieder zu sehen und hätte nichts dagegen, wenn es in Seebronn wäre…..


SAXON

Langsam aber sicher neigte sich der Tag dem Ende zu und mit Saxon steht ein Headliner ins Haus, wie er würdiger kaum sein kann. Mein erstes Metalkonzert 1984 waren Saxon und ich konnte nur teilnehmen, weil die Lokation von Neu-Isenburg auf Mainz geändert wurde und ich dort mit dem Zug hinfahren konnte. Ich bin überzeugt davon, dass einige von den Kutten, die damals zugegen waren bis heute noch nicht gewaschen wurden! Zumindest kam es mir beim letzten Saxon Hallenkonzert 2016 so vor… 😉 Insofern hat jeder Saxon Gig für mich eine besondere Bedeutung, denn dieses Konzert war ein Ereignis mit richtungsweisender Tragweite.

Saxon gehen immer“, „Saxon sind eine Bank“, sind die Äußerungen, die man immer wieder über Saxon hört und sie stimmen einfach! Auch bei ihrem sechsten Auftritt in Balingen können die Engländer überzeugen. Die Band strahlt Spielfreude aus, rennt, bangt und Biff stolziert über die Bühne wie ein Zeremonienmeister. Fannähe kommt auf, als er sich die Kutte einer Dame aus dem Publikum überzieht, die sich im Anschluss über ein Autogramm auf dem Schmuckstück freuen darf.

Aus 21 Studioalben eine Setlist zusammenzustellen muss ein Kraftakt sein, denn natürlich gibt es Stücke, die einfach nicht fehlen dürfen. Den Anfang bestreiten sie dieses Mal mit „Battering Ram“ vom gleichnamigen Album, das 2015 erschienen ist. Im Anschluss daran folgt „Let Me Feel Your Power“ von 2007 und mit „Sacrifice“ ist das 21. Jahrhundert dann auch abgehakt. Ab da kommen Schlag auf Schlag nur noch Kracher älteren Datums, von denen „Solid Ball Of Rock“ sogar noch der Jüngste ist. Was wird nur aus uns werden, wenn der Adler mal flügellahm wird?

Saxon

Denn auch wenn der Rest der Band nur wenig Ermüdungserscheinung zeigt, so spürt man bei Biff doch teilweise die Anstrengung. Für heute Abend schieben wir aber diese Gedanken beiseite und genießen Old-School Metal vom Feinsten.

Roxxymeter: 5 Roxxys für Stage-Acting, Outfit, Sympathie, Stimmung und Spielfreude.

(Setlist: Battering Ram, Let Me Feel Your Power, Sacrifice, Motorcycle Man, Power And The Glory, Solid Ball Of Rock, And The Band Played On, 20,000 Ft, Dallas 1 PM, The Eagle Has Landed, 747 (Strangers in the Night), Strong Arm Of The Law, Heavy Metal Thunder, Princess Of The Night, Wheels Of Steel, Crusader, Denim And Leather)


Bericht: Gunda Markert 
Fotos und Roxxymeter: Susanne Hentschel