Konzert, Roxxy's Blog

BANG YOUR HEAD!!! 2016 – Tag 3

Bei bestem Festivalwetter mobilisierten wir Samstags nochmal alle Kräfte für den letzten Tag Bang Your Head 2016.

Am besten schicke ich gleich eine Entschuldigung voraus, denn nach zwei nahezu alkoholfreien Tagen hat eure Hauptautorin geglaubt am Tag 3 in kürzester Zeit das Versäumte nachholen zu müssen.

Und so zog, trotz herrlichstem Sonnenschein, plötzlicher Nebel auf, in dem prompt einige Gigs verschwanden…. Also quasi ein Balinger Wetterphänomen! 😉

Das deutete sich bereits bei Girlschool an, die wir uns auf dem Parkplatz anhörten. Irgendwie passend, was könnte zu einer Mädelskombo aus England besser passen als ein kräftiger Schluck Gin?

Die Mädels haben sich erst vor wenigen Jahren in mein Herz gespielt. Zu ihrer Gründungszeit waren sie mir optisch einfach nicht mädchenhaft genug und die Musik zu punkig angehaucht. An beiden Umständen hat sich seither im Grunde nichts geändert, aber wer sich über mehrere Jahrzehnte in diesem Rockzirkus behauptet, der hat zumindest jede Menge Respekt verdient.

Den haben sie auch bei den männlichen Vertretern des Genres, vielleicht gerade deswegen weil sie wirken als könnten sie eine Bierflasche mit den Zähnen öffnen.

Die Mädchenschule tourt seit Jahren durch die Lande, veröffentlicht kontinuierlich Material und sie sind, zumindest aktuell, in ¾ der Originalbesetzung unterwegs. Dass die verstorbene Kelly Johnson ihre Nachfolgerin Jackie Chambers gewissermaßen selbst eingearbeitet hat spricht ebenfalls für Loyalität und Weitsicht.

Musikalisch prügelt sich der Vierer beginnend mit „Demolition Boys“, gleich gefolgt von „C’mon Let’s Go“ durch einen Querschnitt ihrer Werke, mit einem Schwerpunkt beim 1981 erschienen Album „Hit And Run“. Songs aus der Phase, als man ihnen Mitte der 80er in USA ein Vixen-mässiges Image verpassen wollte, fallen komplett unter den Tisch.

Dafür stehen mit „Come The Revolution“ und „Take It Like A Band“ zwei Stücke aus dem 2015 erschienenen Album „Guilty As Sin“ auf dem Programm, die perfekt zum typischen Girlschool-Sound passen. Wenig filigran, schnell und etwas derb. Wer schon mal so eine Nummer im Bett hatte weiß genau was ich meine! 😉 Und ob man das nun geil oder grauslig findet ist sicher geschmacks- und tagesformabhängig.

Es war immer noch neblig als Great White auf die Bühne gingen. Man konnte schier die Hand nicht vor den Augen sehen! 😉

Aber die Cheffin war fähig dem Geschehen auf der Bühne zu folgen….

Great White

Die Musik von Great White passte bestens zu diesem herrlichen Sommertag. Great White stehen für mich für gute Laune pur, wer da nicht wenigstens mit-wippt, dem kann man wirklich nicht helfen.

Dennoch gibt es Kritik. Was ich überhaupt nicht verstehen kann ist, warum keine einzige Nummer von „Elation“, das ja das erste und einzige mit Sänger Terry Ilous ist, gespielt wurde. Natürlich müssen Great White ihre bekannten Songs spielen, das stell ich gar nicht in Frage, aber ich hätte mir wenigstens die Mega-Nummer „Shotgun Willie’s“ gewünscht.

Ungefähr ab der Mitte des Sets ging mir Terry Ilous ein bisschen auf die Nerven – nicht stimmlich, da passte alles – aber sein Stage-Acting wirkte auf mich plötzlich einen Tick zu einstudiert. Und ich hatte auch das Gefühl, dass er etwas hochnäsig daher kommt. Ich sags mal ganz frech: Ein selbstverliebter Angeber, der sich gerne feiern lässt…vor allem mit dem Vergleich zu dem super sympathischen Mike Howe vor Augen, der geradezu gerührt war, weil er wirklich gefeiert wurde.

Fazit zu Great White: irgendwie hat was „echtes“ gefehlt.

(Setlist: I’ve Got Something For You, Desert Moon, Lady Red Light, Can’t Shake It, House Of Broken Love, Save Your Love, Mista Bone, Big Goodbye, Rock Me, Once Bitten Twice Shy)

Great White

Great White

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Great White

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Great White

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Great White

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Great White

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Great White

Der Nebel lichtete sich pünktlich zu Tyketto in der Halle wieder. Es tat mir ein wenig leid um Uriah Heep, die ich auch gerne gesehen hätte. Aber zerteilen ist nun mal nicht.

Ich war überrascht wieviele Menschen nach dem Konzert sagten, dass sie Tyketto noch nie vorher gesehen hatten. Bei mir war es eher so, dass ich mich fragte, ob mich der Auftritt noch so würde mitreißen können, wie es bei den letzten Malen der Fall war. Antwort: JA!

Tyketto müssen in ihrer Karriere irgendwann mal entweder Pech gehabt oder etwas falsch gemacht haben. Wenn man sich das Timing anschaut so war es wohl eher Pech. 1991 wurde „Don’t Come Easy“ veröffentlicht und damit leider rechtzeitig zur aufkommenden Grunge-Welle. So schnell es durch dieses Album aufwärts ging, so schnell ging es auch wieder bergab und die nächsten Jahrzehnte waren geprägt von Auflösung, Wiedervereinigung, Besetzungswechseln, Abschiedstouren (ja, auch sie…) und Wiederauferstehung.

Mittlerweile hat sich alles etwas eingerüttelt, neben Danny Vaughn ist mit Michael Clayton am Schlagzeug noch ein Originalmitglied dabei und sie sind regelmäßig unter dem Namen Tyketto auf Festivals unterwegs und tun im Grunde das, was sie am besten können, nämlich die Hits ihres Erfolgsalbums spielen. So auch in Balingen, wo alle Songs von „Don’t Come Easy“ auf dem Programm standen.

Man könnte vielleicht meinen es müsste ihnen langweilig werden, aber nein, die Band versprüht ungeheuer viel Sympathie und gute Laune und zieht damit auch das Publikum in ihren Bann.

Ganz klar ist Danny Vaughn als Frontmann der Chef im Ring, aber die Band bildet eine Einheit, in der jedes Mitglied seinen Platz hat.

Während Chris Green an der Gitarre aus sich heraus geht ist der Mann am Bass etwas zurückhaltender. Und wer sich bei seinem Anblick gefragt hat wo er diesen Menschen schon einmal gesehen hat, dem kann geholfen werden. Es ist Chris Childs, der auch bei Thunder seit vielen Jahren den Bass bedient.

Nachdem die Stimmung schon so grandios war hätte es ein geschickter Schachzug sein können, zumindest einen Song von dem 2012 erschienenen Album „Dig In Deep“ einzubauen. Ich denke „Faithless“ hätte super gepasst. Aber die Entscheidung war eine andere, und so wurden stattdessen noch 3 Stücke aus „Strength In Numbers“ eingebaut.

Danny Vaughn führte die Menge souverän durch die Setlist und hatte zwischendurch immer noch lustige Anekdoten zu erzählen. Das erinnerte mich an einen Abend in Nottingham (da war es auch neblig…;-) ), als ich ihn bei der Aftershow-Party tatsächlich fragte womit er seine wunderschöne, glänzende Haarpracht pflegt. Seitdem ist er für mich L’Oreal-Danny… 😉 Aber der Mann hat nicht nur die Haare schön, sieht mit seinen mittlerweile 55 Jahren aus wie ein junger Gott, nein, er singt auch wie einer!

Also wer sich an diesem Tag nicht in Danny Vaughn verknallt hat muss asexuell sein.

Da sitzt jeder Ton und dazu noch ist wirklich jedes einzelne Stück auf der „Don’t Come Easy“ ein Hammer! Ich trage insbesondere „Burning Down Inside“ seit diesem Tag als Ohrwurm mit mir herum.

Zum Schluss natürlich der Song auf den alle gewartet haben. Schon bei den ersten Sekunden könnte ich zerspringen vor Freude und wenn es dann zum Refrain kommt sind sich alle Anwesenden einig: WE’LL ALWAYS BE FOREVER YOUNG

(Setlist: Sail Away, Strip Me Down, Nothing But Love, Walk On Fire, Lay Your Body Down, Standing Alone, Seasons, Burning Down Inside, Meet Me In The Night, Rescue Me, The Last Sunset, Wings, Forever Young)

Ich wäre ja gerne noch ein wenig auf dem Tyketto Wölkchen herumgeschwebt, aber der straffe Zeitplan ließ das nicht zu.

Wenn Herr Dirkschneider zum letzten Mal Angriff auf das Metal Heart bläst musste ich natürlich dabei sein. Was ich von der Entscheidung keine Accept Songs mehr zu spielen halten soll, weiß ich immer noch nicht genau.

Zu wenig habe ich mich mit Udos Solowerken beschäftigt, um so viele Vorlieben zu entwickeln, dass mir bei seinen Auftritten etwas fehlt, wenn die Setlist auch Songs der Accept Ära beinhaltet. Möglicherweise stand aber genau der Gedanke hinter dem Beschluss, denn so ein „Rucksack“ an musikalischer Vergangenheit kann auch Ballast sein.

Insofern ist die Entscheidung zu akzeptieren und wir freuen uns, dass er uns nochmal eine geballte Ladung Accept präsentiert. Allerdings nicht so geballt, wie ich es erwartet hatte, denn eigentlich hatte ich Dirkschneider auf dem Platz des Headliners gesehen.

So musste das Programm leider einige Kürzungen erfahren. Aber auch was übrig blieb konnte sich durchaus hören lassen. Nun ist Udo natürlich kein 4-Oktaven-Mann, das darf sicher ohne despektierlich zu klingen so gesagt werden. Von daher hat er es vielleicht auch einfacher 30 Jahre lang die Stimme in Form zu halten. Denn mit geschlossenen Augen fühlte ich mich ins Jahr 1985 zurückversetzt.

Am Anfang ging es allerdings noch etwas weiter zurück, nämlich mit „Starlight“ ins Jahr 1981. Mit jedem weiteren Song wurde mein Grinsen breiter und breiter. Ob „London Leatherboys“ oder „Midnight Mover“, jeder einzelne Song ein Klassiker. Und dann natürlich die Hits, ohne die es gar nicht geht. Für mich persönlich wäre „Princess Of The Dawn“ verzichtbar, aber das ist natürlich der Song, der alle mitsingen lässt.

Mein Highlight kam gleich im Anschluss. Eigentlich unvorstellbar, dass wir zukünftig auf „Restless And Wild“ von Udo verzichten müssen?

So habe wohl nicht nur ich die Kracher, die von der Bühne herunter gefeuert wurden wie ein Schwamm in mich aufgesogen. Die Stimmung war durchaus Headlinerwürdig, da passte einfach alles!

Leider hat aber auch das schönste Feuerwerk irgendwann ein Ende, und so ging für Udo und seine Band mit „Burning“ als passendem Song das Thema Accept im wahrsten Sinne des Wortes endgültig in Flammen auf.

(Setlist: Starlight, Living For Tonite, London Leatherboys, Midnight Mover, Breaker, Princess Of The Dawn, Restless And Wild, Son Of A Bitch, Screaming For A Love-Bite, Metal Heart, Fast As A Shark, Balls To The Wall, Burning)

Während ich meinen Old School Metal Wurzeln frönte hat sich Susa in der Halle vom Threshold Sound begeistern lassen:

Gleich nach Tyketto standen mit Threshold schon die nächsten großen Sympathie-Träger auf der Bühne. Auch wenn sie ein komplett anderes Genre bedienen waren viele in der Halle, die gerade noch Tyketto abgefeiert hatten.

Threshold Gigs sind immer etwas besonderes. Diese Band schafft es wie kaum eine andere sich direkt in die Herzen der Fans zu spielen.

Zu schreiben, dass Threshold souverän wie immer waren mag abgedroschen klingen, aber was will man machen, wenn es nun mal so war? Vollprofis allererster Güte, die auf den Punkt genau spielen. Obwohl ihre Musik technisch sehr ausgefeilt und anspruchsvoll ist, kommt sie nicht steril rüber wie bei manch anderen Bands dieser Stilrichtung.

Sänger Damien Wilson ist dafür bekannt, dass er gerne ein Bad in der Menge nimmt, allerdings war ich mir nicht sicher, ob er das in der sehr gut gefüllten Halle auch tun würde.

Aber er kennt da wohl keine Scheu, teilt von der Bühne aus mal eben ganz lässig die Menge, springt rein und gibt „Pilot In The Sky Of Dreams“ hin und her laufend zum besten.

Die Mischung aus technisch perfekt umgesetzten Songs, zusammen mit der Wärme und Sympathie, die vor allem Damien Wilson ausstrahlt, machen Threshold zu einer außergewöhnlich herausragenden Band. Ihr merkt schon, hier spricht das Fangirl. Und dieses Fangirl verließ äußerst glücklich und strahlend die Halle.

(Setlist: Slipstream, Turned To Dust, The Art Of Reason, Long Way Home, Mission Profile,
Pilot In The Sky Of Dreams, Watchtower On The Moon, Ashes)

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Kaum hatten wir den heiligen Balinger Boden betreten schon wurde es fast schon wieder Zeit zum Abschied nehmen!

Aber nur fast, denn den Abschluss unter das Bang Your Head 2016 setzten Iced Earth.

Iced Earth

Eine Band, die ich zwar sehr mag, aber die an diesem Abend einen schweren Stand hatte. Nicht nur, dass es insgesamt schwer ist nach 3 anstrengenden Tagen die Menge noch einmal zu mobilisieren. Doch im Anschluss an den Dirkschneider Gig auf die Bühne zu gehen war eine große Herausforderung.

In meinen Augen haben sie diese zwar gemeistert, aber gegen die Cheffin wage ich natürlich nicht aufzubegehren, daher gehört ihr sozusagen das (vor)letzte Wort 😉

Einige werden mich jetzt vielleicht in der Luft zerreißen, aber ich war total enttäuscht von Iced Earth, die in meinen Augen an diesem Abend nicht Headlinerwürdig waren.

Vielleicht lag es auch daran, dass in den vergangenen Tagen einige Bands schon so extrem vorgelegt hatten.

Iced Earth haben mich schon häufiger begeistert, daher hatte ich große Erwartungen und denke, die darf man an einen Headliner auch haben. Leider wurden diese nicht erfüllt und ich fand sogar, dass sie einige Songs regelrecht verhunzt haben, durch ein viel zu lautes und dominantes Schlagzeug.

Ich bemerkte schon im Fotograben, dass die Reihen nicht so gut gefüllt waren, wie es sich eigentlich für den Samstags-Headliner gehört. Normalerweise spürt man eine gewisse Spannung hinter sich, wenn man den Headliner fotografiert. Von dieser Erregung war an diesem Abend nicht viel zu spüren.

Was den Back-Katalog angeht, so hätten Iced Earth definitiv das richtige Songmaterial im Gepäck, um die Menge zum Kochen zu bringen.

Die Hörerschaft war auch da, die Stimmung simmerte, aber Mr. Schaffer & Co. schafften es nicht diese zum Überkochen zu bringen. Better luck next time!

(Setlist: Dark Saga, Plagues Of Babylon, Democide, Vengeance Is Mine, V, Pure Evil, I Died For You, Burning Times, Cthulhu, Damien, Slave To The Dark, A Question Of Heaven, My Own Savior, Dystopia, The Hunter, Watching Over Me)

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Iced Earth

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Iced Earth

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Iced Earth

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Iced Earth

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Iced Earth

Das wirklich allerletzte Wort erlaubt sich die Schreib-Mouse dann aber doch noch. Ätsch! 😉

Auch wenn mit Iced Earth zum Schluss vielleicht nicht alle glücklich gemacht werden konnten so behaupte ich ganz keck, dass niemand unzufrieden nach Hause ging.

Zu Klasse waren die Bands, zu gut die Stimmung (Zitat Polizeibericht „Vermutlich eines der friedlichsten Festivals der Welt!“), selbst Petrus war uns wieder hold.

Im Vorjahr war ich noch nicht ganz schlüssig was ich von den 3 Tagen als Dauereinrichtung halten soll, und auch wenn ich mir insbesondere der „Headliner-Problematik“ bewusst bin, hat mich spätestens 2016 restlos überzeugt. 3 Tage Bang Your Head müssen sein!

Durch den späteren Anfang ist alles etwas entspannter und, hier schließt sich der Kreis zum Beginn, auch der Schlaf, den man mit 29+ vielleicht doch etwas nötiger hat, fällt nicht komplett der Party zum Opfer.

Nicht ganz so glücklich bin ich mit den Überschneidungen zwischen Halle und Open-Air. In diesem Jahr sind mir dadurch leider einige gute Acts durch die Lappen gegangen, was andererseits natürlich ein Luxusproblem ist, da es für das gute Billing spricht.

Für 2017 sind bereits erste Bands verpflichtet, darunter Vince Neil, auf den sicher viele gespannt sind.

Bis dahin, keep on rockin‘ in a free world, und nicht vergessen: Rock Chicks Radio hören!

Bericht: Gunda Markert (Great White, Threshold, Iced Earth: Susanne Hentschel)
Fotos: Susanne Hentschel (Und nicht nur die Hauptautorin, nein auch eure Fotografin verschwand etwas im Balinger Gin-Nebel)