Konzert, Roxxy's Blog

BANG YOUR HEAD!!! 2016 – Tag 2

Nachdem die Nacht dazu genutzt wurde sich wieder aufzuwärmen konnten wir am nächsten Tag frisch gestärkt die zweite Runde angehen. Und wir hatten sowas von Glück mit dem Wetter, denn ab nun sollte es trocken bleiben!

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Chris Impellitteri ist der Namensgeber einer Band, die, mit einer kurzen Auszeit, seit 1987 am Start ist. Obwohl der Gründer in einem Atemzug mit Größen wie Eddie van Halen und Yngwie Malmsteen genannt wird, blieb ihnen der große Durchbruch jedoch verwehrt. Woran es lag ist schwer zu sagen. An der Stimme von Rob Rock, der die meiste Zeit über die Position des Sängers innehatte kann es jedenfalls nicht liegen, denn er ist über jeden Zweifel erhaben. Teilt aber im Grunde das gleiche Schicksal, denn auch mit seinen anderen Projekten kam er über Insider-Status nicht wirklich hinaus. Zumindest Rob Rock war bereits zum dritten Mal in „Beylinschen“ (das ist Rob Rockisch für Balingen 😉 ) und daher freute ich mich sehr auf den Gig.

Mit „Stand In Line“ und „Lost In The Rain“ wurde die frühe Schaffensphase gewürdigt. Darüber hinaus konzentrierte sich die Setlist auf Machwerke der „Answer The Master“ und noch einige Stücke aus der 2015 erschienen Scheibe „Venom“.

Zweifellos tolle Instrumentenarbeit (böse Zungen sprachen von „Griffbrettgewichse“) und eine starke Stimme, trotzdem wollte der Funke bei mir nicht überspringen. Aus dem Publikum wurde der Leistung auch durchaus Respekt gezollt, doch kollektive Begeisterungsstürme blieben aus.

Dafür ist das Material vielleicht etwas zu sperrig und zu wenig „catchy“. Okay, das ist musikalisches Geschmacksempfinden. Aber was mir viel mehr negativ auffiel waren die langen Pausen zwischen den einzelnen Songs. Es sah aus als müsste man sich immer erst mal abstimmen, so dass ich mich fragte, ob die ihre Setlist nicht vorher abgesprochen haben?

(Setlist: The King Is Rising, Speed Demon, Warrior, The Future Is Black, We Own the Night, Stand In Line, Wicked Maiden, Lost In The Rain, Time Machine, Answer To The Master)

Während Sacred Reich habe ich die Zeit zum Shopping genutzt, und obwohl ich die Band nur dem Namen nach kannte ist mir aufgefallen, dass ich während ihres Auftritts sogar mehr Lust hatte mit den Füssen und dem Kopf zu wippen als vorher bei Impellitteri. Nicht wirklich meine Teetasse, aber irgendwie war Wumms dahinter!

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Rechtzeitig zu Metal Church hatte ich meinen Platz wieder eingenommen. Massig Besetzungswechsel gab es während der letzten Jahrzehnte und auch wenn viele Fans schier am Durchdrehen waren wegen der Rückkehr von Mike Howe muss ich zugeben, dass ich ein Kind der David Wayne Ära bin, bzw. später Ronny Munroe. Die 90er habe ich ja im Schmollwinkel verbracht, nachdem Grunge mir die Poser weggenommen hatte.

Doch die neue Ära Howe wird auch für mich einiges bereit halten, das war mir klar, als ich zum ersten Mal das starke „Killing Your Time“ hörte.

Aber jetzt ist es an Susa ihrer Begeisterung freien Lauf zu lassen…Feuer frei!

Mike Howe nach über 20 Jahren zurück bei Metal Church, das hat bei mir sehr große Freude ausgelöst und ich hatte vermutet und gehofft, dass Metal Church sich in dieser Mega-Besetzung bald live präsentieren.

Ich war auf Metal Church fast genauso gespannt wie auf Leatherwolf. Im Fotograben konnte ich bereits spüren, dass ich damit nicht alleine stehe. Schon bevor die Band auf die Bühne kam war die Magie schier greifbar. Und als er dann endlich auf die Bühne kam war nicht nur ich und alle, die hinter mir standen, überwältigt. Man konnte Mike Howe anmerken, dass ihm dieser Empfang unter die Haut geht. Er wurde allerwärmstens begrüßt und gefeiert… hui, so geht Metal, mit Enthusiasmus auf und vor der Bühne.

Mike Howe ging ab wie die sprichwörtliche Katze vom Schmidt! Ich stand nicht nur einmal mit offenem Mund da. Was Mike Howe da auf der Bühne leistet ist genial, stimmlich total auf der Höhe und die Performance einfach zum Niederknien. Ich bekomme beim Schreiben schon wieder Gänsehaut.

Kurdt Vanderhoof sieht unfassbar frisch und erholt aus… in welchen Jungbrunnen ist der denn gesprungen? So hat nicht nur Mike Howe seine Aufmerksamkeit auf mich gezogen.

Gitarrenarbeit auseinandernehmen und analysieren ist generell nicht die Rock Chicks-Kernkompetenz, aber hier war ich so gefangen in dieser magischen Stimmung die Mike Howe verbreitete, dass ich mich nicht mal an den Schlagzeuger erinnere 🙂

Ein amtlicher Auftritt zum Schwärmen, der noch lange nachwirken wird.

(Setlist: Fake Healer, In Mourning, Start The Fire, Gods Of Second Chance, Date With Poverty, No Tomorrow, Watch The Children Pray, Killing Your Time, Beyond The Black, Badlands, The Human Factor)

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METAL CHURCH

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Nach Metal Church mussten Prioritäten gesetzt werden, denn es fingen Überschneidungen an zwischen Halle und Open Air.

Der Kontrast zwischen Tigertailz und Annihilator könnte kaum größer sein, und im Grunde braucht es keine Diskussion darüber wer die bessere Band ist.

Doch ich weiß wofür mein Herz schlägt. Nicht umsonst waren wir 2005 extra wegen eines Tigertailz Gigs nach Hamburg gereist. Und so fiel die Entscheidung wieder für die Truppe, die angeblich in den 80ern durch ausufernden Haarsprayverbrauch ihren Anteil am Vergrößern des Ozonlochs hatte. 😉

Tigertailz zeigen auch heute noch warum es „Hair Metal“ heißt, die Frisur des Sängers erinnerte uns jedoch so sehr an Lexxi von Steel Panther, dass wir ziemlich einstimmig beschlossen, dass die beiden im gleichen Perücken-Laden einkaufen.

Eine Band wie diese polarisiert ungemein und während die einen einfach nur eine gute Party feiern ohne zu hinterfragen, warum der Chor nach mindestens 10 Leuten klingt, obwohl nur 4 auf der Bühne stehen, sehen andere stirnrunzelnd das Niveau in den Keller fallen und flüchten angewidert.

Nachdem mit Jay Pepper nur noch ein Originalmitglied dabei ist und ich gerade Sängerwechseln immer etwas skeptisch gegenüberstehe, hatte ich wenig bis gar keine Erwartungen. Das war vielleicht genau richtig, denn ich habe mich prächtig amüsiert, und auch die Band fühlte sich sichtlich wohl und genoss ihren Auftritt.

Sie nehmen sich selbst nicht so ernst, sonst hätten sie sicher kaum versucht in diesem Jahr beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest für England an den Start zu gehen. Trotzdem war ich froh, dass dieser Song nicht auf der Setlist stand!

Auch wenn die Tigertailz über die Jahre hinweg etliche Scheiben aufgenommen haben muss man ganz klar sagen, dass mit dem Debütalbum und dem Nachfolger „Bezerk“ bereits der Zenit erreicht war. Daher bildeten diese beiden Machwerke auch die Basis für die Setlist.

Wobei das 2016 mit dem neuen Sänger Rob Wylde erschienene Album wieder an alte Zeiten anknüpfen könnte. Das angeblich für Poison geschriebene Stück „Bloodsuckers“ ist durchaus hörenswert. Und auch wenn „All The Girls In The World“ nicht nach Metal klingt, macht auch dieser Song richtig Laune. For the girls: Quasi Reckless Love Style, nur ohne den hübschen Ollie. 😉

Mein persönlicher Favorit „Livin‘ Without You“ fehlte zum Glück ebenfalls nicht in der Setlist, aber klar war, dass zumindest das bekennende Poserpublikum in der durchaus gut gefüllten Halle am Ende nur eins grölen wollte:

YOU’RE NOT A LADY, YOU’RE A LOVE BOMB BABY, LOVE BOMB BABY, COME ‚N‘ BLOW ME AWAY

Dieser Wunsch wurde natürlich erfüllt und summa summarum kann ich sagen, es war ein schöner, runder und kurzweiliger Auftritt.

(Setlist: Sick Sex, Hollywood Killer, Shoot To Kill, All The Girls In The World, I Can Fight Dirty Too, Love Overload, Noise Level Critical, Bloodsuckers, Tear Your Fuckin‘ Heart Out, Livin‘ Without You, Call Of The Wild, Love Bomb Baby)

Mit ein wenig Gas geben beim Rausgehen reichte es dann von Annihilator wenigstens noch für „Alison Hell“ und „Phantasmagoria“.

Und schon musste ich mich auch wieder auf dem Absatz umdrehen, denn Nazareth in der Halle wollte ich mir ebenfalls nicht entgehen lassen.

Hier war ich tatsächlich etwas erstaunt, dass die Halle so proppenvoll war. Als Nazareth gegründet wurden konnte ich noch nicht mal richtig laufen und der aktuellste Song auf der Setlist war von 1982! Aber funktioniert hat es trotzdem. Ein Song wie „Hair Of The Dog“ wird einfach nie alt!

Klar war jeder skeptisch, wie es nach dem Ausstieg von Dan McCafferty weitergehen würde, denn auch wenn zu vergebende Posten mit Familienmitgliedern aufgefüllt werden, so sieht es bei Nazareth mit Gründungsmitgliedern sehr dünn aus. Und wenn es sich dann auch noch um den Sänger handelt stellt sich durchaus die Frage nach dem generellen Fortbestand der Band. Aufhören ist für Nazareth jedoch gar kein Thema.

Von Carl Sentance als „frischem Blut“ zu sprechen ist sicher etwas übertrieben. Zwar ist er 15 Jahre jünger als Dan McCafferty, doch auch er darf durchaus schon Ü50 Parties besuchen. Allerdings würde es meiner Meinung nach merkwürdig aussehen, wenn man sich einen 20jährigen Springinsfeld geholt hätte.

Carl Sentance hat genug Erfahrung und macht seine Sache wirklich mehr als gut. Die Stimme passt super für das vorhandene Material, da gab es keinerlei Schwächen zu entdecken. In der Halle in Balingen gefielen sie mir sogar noch um einiges besser als noch das Jahr davor in Seebronn. Von 2014 ganz zu schweigen.

Großes Stageacting braucht bei Nazareth natürlich keiner zu erwarten. Darum geht es auch nicht. In den Songs liegt so viel Emotion, gepaart mit Rock’n’Roll, dass man sich einfach nur dem Sound hingeben mag.

Die größten Hits waren geschickt auf die Setlist verteilt, so dass die Stimmung durchweg oben gehalten werden konnte. Die Höhepunkte natürlich die Herzschmerz-Balladen „Dream On“ und „Love Hurts“, die wirklich die ganze Halle inbrünstig mitgesungen hat.

(Setlist: Silver Dollar Forger, Miss Misery, Razamanaz, This Flight Tonight, Dream On, Bad Bad Boy, Beggars Day, Hair Of The Dog, Expect No Mercy, Love Hurts, Morning Dew)

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Nach Nazareth wurde es Zeit eine Klamottenhülle mehr aufzulegen als Vorbereitung auf die nächtliche Kälte, und damit der Headliner ohne klappernde Zähne genossen werden konnte.

Allerdings stelle ich mir seit Tagen schon die Frage was ich über Twisted Sister schreiben soll? Twisted Sister waren nun zum 6. Mal beim Bang Your Head, das letzte Mal erst vor zwei Jahren und irgendwie ist es doch immer ziemlich gleich.

Aber nach der Ankündigung der Abschiedstour war es keine wirkliche Überraschung, dass sie dabei auch in Balingen aufschlagen würden.

Diese Band ist eins der vielen Phänomene der Bang Your Head Tage, denn auch sie fallen in die Kategorie von Tigertailz oder Babylon A.D., wobei ihr Erfolg ungleich größer ist.

Streng genommen war die Band nur wenige Jahre in den 80ern so richtig zusammen und hat in der Zeit eine Handvoll Alben herausgebracht (Re-Recordings, Compilations etc. nicht mitgezählt). Daraus eine jahrzehntelange Karriere mit Headlinerstatus zu basteln muss man erst mal schaffen!

Dem Anlass entsprechend hat Dee Snider mit Worten nicht gespart, ließ uns in jedem zweiten Satz wissen, dass es nun wirklich das letzte Mal ist, und was er davon hält, wenn Kollegen wie die Scorpions und Ozzy Abschiedstour auf Abschiedstour spielen.

Komischerweise bin ich nicht die einzige, die seinen Worten nicht so richtig Glauben schenkt. Auf seine Bandkumpel mögen gewisse Müdigkeitserscheinungen ja zutreffen, aber auf mich wirkt Dee Snider zu frisch und fit, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen.

Und so wäre es nicht weiter überraschend, wenn er uns in einigen Jahren Solo beehren würde. So lange dieser Mann noch 25 Fuck in zwei Minuten Schimpftirade unterbringen kann wird er nicht aufhören!

Als er die Geschichte erzählte wie es kam, dass Mike Portnoy den Stuhl des verstorbenen A.J. Pero beerbte lief mir eine kleine Gänsehaut über den Rücken. Vielleicht ist das ja generell und auch bei jüngeren Bands üblich, aber die Vorstellung, dass eine Band sich hinsetzt und für den Fall der Fälle mögliche Ersatzleute bestimmt, macht mir Angst.

Portnoy mag am TS-Schlagzeug eine Verschwendung sein, doch unter den besonderen Gründen tut er es sicher gerne und hat auch seinen Spaß dabei.

Die Setlist enthielt natürlich alles was der geneigte Mitgröler so braucht, von „The Kids Are Back“, über „You Can’t Stop Rock ’n‘ Roll“, bis hin zu „I Wanna Rock“. Und natürlich habe auch ich mitgegrölt, was das Zeug hielt. Die Nummern von Twisted Sister wirken einfach zu ansteckend, um dabei ruhig zu bleiben!

Und ein Song, der bei mir nie seine Wirkung verfehlt ist „The Price“. Im Grunde ein einfacher Text, der mir aber so richtig tief unter die Haut geht.

Zur Hymne „We’re Not Gonna Take It“ hatte uns Meister Dee natürlich auch einiges zu sagen. Denn in einer Zeit, in der man sich morgens kaum noch traut die Nachrichten einzuschalten bleibt einem nichts anderes übrig als sämtlichen hirnverbrannten Fuckern den Mittelfinger entgegenzustrecken. Das passte letzte Woche, es passt auch diese Woche und das gilt auch weiterhin: WE’RE NOT GONNA TAKE IT!

(Setlist: What You Don’t Know (Sure Can Hurt You), The Kids Are Back , Burn In Hell, Destroyer, Like A Knife In The Back, You Can’t Stop Rock ’n‘ Roll, The Fire Still Burns, I Am (I’m Me), I Wanna Rock, The Price, I Believe In Rock ’n‘ Roll, We’re Not Gonna Take It, It’s Only Rock ’n‘ Roll (But I Like It), Come Out and Play, Under the Blade, S.M.F.)

Bericht: Gunda Markert (Metal Church: Susanne Hentschel)
Fotos: Susanne Hentschel